Betriebliche Resilienz in der Corona-Krise

, von Ekkehart Schmidt

Wir haben mit unseren Projektförderungen einen Beitrag zu einer sozial-ökologischen Transformation geleistet. Diese ist jetzt durch angeordnete Schliessungen von Betrieben der Gastronomie, des Nicht-Lebensmittel-Einzelhandels sowie von Fort- und Ausbildungsmassnahmen im Zuge der Corona-Krise akut gefährdet. Für viele Betriebe ist es eine Frage von Wochen, ob sie überleben. Ihnen fehlen Einnahmen, um Gehälter auszuzahlen und Kreditraten abzuzahlen.

Die Stichworte zu dieser Situation sind Adaptation und Resilienz. Der Begriff Adaption beschreibt die kurzfristige Rückkehr zur Ausgangssituation (falls möglich) im Sinne einer Selbstregulation. Auch der Begriff Resilienz (von lateinisch resilire „zurückspringen, abprallen“) ist aus der Debatte um die Klimakrise bekannt. Er steht für die Fähigkeit eines Ökosystems, nach einer Störung zum Ausgangszustand zurückzukehren. Man kennt den Begriff ferner in der Energiewirtschaft, wo er für die Ausfallsicherheit in der Versorgung mit Strom steht. Und natürlich - gerade in Zeiten der Pandemie aktuell - beschreibt er die psychische Widerstandsfähigkeit der Menschen bzw. der Fähigkeit von Gesellschaften, externe Störungen zu verkraften.

Auf Unternehmen bezogen geht es um die systemische Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Störungen (Resilienz-Management). Nicht jeder Einzelhändler kann schnell auf Online-Shopping umstellen und Restaurants können nur bedingt einen Lieferservice anbieten. Zudem haben sie Liquiditätsprobleme. Gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen bedarf es daher nun - in Ergänzung zu deren innerbetrieblichen Anpassungen - schneller, kreativer und unbürokratischer Hilfen. Unser Bankpartner Spuerkeess hilft durch Aussetzungen der Kredit-Rückzahlungspflicht, manche Vermieter verlangen von Betrieben keine Miete mehr und auch wir überlegen, wie wir Unterstützung leisten können.

Als Soforthilfe hat die Regierung am 17. März zunächst Steuermassnahmen beschlossen und dann ein 300-Millionen-Euro-Programm zur Zahlung von Notkrediten und Ausgleichshilfen angekündigt, die heute morgen von der EU-Kommissionn genehmigt wurden. Der Wirtschaftsminister berichtete freilich von Forderungen vieler Unternehmen, die staatlichen Hilfen noch deutlich auszuweiten. Nachmittags wurde bekannt gegeben, dass die Regierung fast 9 Milliarden Euro zusätzlich an Hilfe für die Wirtschaft locker machen wird (die Regelungen im Einzelnen: Französisch und Englisch). Am 31. März wurden zusätzlich Hilfen für Start-Ups beschlossen (mehr dazu hier) und hier bei Paperjam. Diese wurden am 8. April ergänzt um eine Not-Entschädigung für Selbstständige.

Schon seit dem 13. März bietet Spuerkeess Betrieben, die bei der Bank Kredite aufgenommen haben, ein Moratorium an, das heisst eine Stundung der Rückzahlungen für zunächst drei Monate (auf Antrag).

In diesen schwierigen Zeiten müssen wir zudem verstärkt digitale Tools wie Skype, Jit.si, Trello, BigBlueButton, zoom (allerdings mit Datenschutzmängeln behaftet) oder slack nutzen, um miteinander in Kontakt zu bleiben und uns weiterhin zu organisieren. Organisationen wie 350.org bieten dazu ein kostenloses "Skillsharing" an: "Wir wollen mit euch gemeinsam ausprobieren, wie wir Videokonferenzen nutzen können, um effektive Online-Meetings abzuhalten. Wir teilen mit euch technische Werkzeuge und Moderationsmethoden, die sich besonders dafür eignen."

Solidarität ist das Gebot der Stunde. Wir versuchen, dem Begriff "Sozial- und Solidarökonomie", dem wir uns seit der Gründung von etika vor 24 Jahren verbunden fühlen (mehr dazu hier), durch angepasste Lösungen zu entsprechen. Wie von etika geförderte Projekte reagieren lesen Sie hier: Solidarität in der Krise. Unterstützen Sie diese in ihrer Adaption an die Krise! Danke.

Schreiben Sie uns, wenn Sie weitere Ideen haben!

Artikel vom 25. März 2020, aktualisiert am 9. April