In die Energiewende investieren

, von Ekkehart Schmidt












Trotz ausreichender Erkenntnisse über die Ursachen und Folgen des Klimawandels ist in Luxemburg von öffentlicher Seite in den vergangenen Jahrzehnten kaum etwas unternommen worden, eine Energiewende einzuleiten bzw. allgemeiner das Konsum- und Mobiltätsverhalten hin zu mehr Nachhaltigkeit zu verändern. So hat Luxemburg unter allen EU-Ländern mit 5% den niedrigsten Wert in der Nutzung erneuerbarer Energien. Die hier verbrauchte Energie stammte 2015 noch zu 84% aus fossilen Brennstoffen (2005: 93%) - ein nach Angaben von Eurostat deutlich über dem EU-Durchschnitt von 73% liegender Wert.

Erst mit der Klimakonferenz in Paris und den danach angestoßenen Rifkin-Prozess ist hierzulande auch auf Regierungsebene wirklich Bewegung in die Frage gekommen, wie man das Erforderliche konkret in einer klaren, koordinierten Strategie umsetzen kann. Es wird nun bis 2020 eine Quote von 11 % und bis 2050 von 70 bis 100 % anvisiert.

Aber nicht alle haben auf den Staat gewartet. Viele Unternehmen und Einzelpersonen wurden mit hunderten großen und kleinen Projekten aktiv. Darunter auch der vor 20 Jahren gegründete Verein etika und andere zivilgesellschaftliche Akteure wie die seit einigen Jahren aktive „Transition Town“ Bewegung. Übersetzbar mit „Stadt im Wandel“ gestalten seit 2006 private Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in vielen Städten und Gemeinden der Welt den erforderlichen Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft. Initiiert wurde die Bewegung unter anderem vom irischen Permakulturalisten Rob Hopkins. Ausgehend von der Beobachtung, dass die nationale und internationale Politik nicht entsprechend auf die Herausforderungen des Klimawandels und des bevorstehenden globalen Ölfördermaximums (Peak Oil) reagiert und daher die Kommunen von sich aus mit ersten vorbereitenden Maßnahmen auf eine Zukunft knapper werdender Roh- und Treibstoffe reagieren müssen, initiieren Transition Towns Gemeinschaftsprojekte.

Hierzu gehören Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion von fossilen Energieträgern sowie zur Stärkung der Regional- und Lokalwirtschaft. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Gestaltungsprinzipien der Permakultur, die es insbesondere landwirtschaftlichen, aber auch gesellschaftlichen Systemen ermöglichen sollen, ähnlich effizient und resilient zu funktionieren wie natürliche Ökosysteme.

2010 wurde in Beckerich das Centre for Ecological Learning Luxembourg (CELL) gegründet, um eine Plattform zu schaffen, die konkret über postfossile Wirtschafts- und Lebensformen nachdenkt und diese implementiert. Nicht zuletzt durch diesen Input entstand 2011 mit „Transition Minett“ die erste luxemburgische Initiative.

Seitdem sind fünf weitere Transition-Gruppen Teil des CELL-Netzwerkes geworden: Transition West, Transition Minette, Transition Mersch, Transition Eisléck und Transition Bonnevoie. Eine enge Kooperation besteht zudem mit „equiclic“ Junglinster. Unabhängig davon haben sich auch in Junglinster einige Privatleute in der Energiekooperative EquiEnercoop zusammen getan, um sich konkret vor Ort für die Nutzung erneuerbarer Energien einzusetzen.

CELL, wie auch EquiEnercoop wurden durch etika und die BCEE im Rahmen des alternativen Spar- und Kreditmechanismus finanziell unterstützt. Die Förderung solcher innovativer Initiativen, wie auch von Projekten in den Bereichen energieeffizienter Bau und Verkehr (Hybridbusse) zählen zu den neueren Projekten. Etika fördert jedoch bereits seit 1999 durch Zinsbonifikationen „klassische“ Einzelprojekte der Produktion erneuerbarer Energien: von Photovoltaik-Anlagen über Bio- und Methangasanlagen bis hin zu Wassermühlen und Windparks (siehe hier eine Liste hiesiger Windkraftanlagen).

Das Geld für diese Kredite stammt von über 1000 luxemburgischen Alternativsparer/innen, die auf einen Teil der Zinsen verzichten und im Gegenzug sicher sein können, dass ihr Sparkapital nur in Projekte investiert wird, die nach strengen sozialen und ökologischen Kriterien ausgewählt wurden.

Insgesamt hat etika in Kooperation mit der BCEE in den vergangenen 20 Jahren 64 zinsvergünstigte Kredite mit einer Gesamtsumme von 31.710.000 Euro an Projekte aus den Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz vergeben. Davon

entfielen 10, 8 Mio Euro für 11 Kredite zum Bau von Windenergie-Anlagen, 6,6 Mio Euro für 4 Kredite zur Anschaffung von Hybridbussen, 4,6 Mio Euro für 14 Wohnbau- und Sanierungsprojekte (Niedrigenergie- und Passivhäuser) , 4 Mio Euro für vier Kredite zur Produktion von Holzpellets (insbesondere KIOWATT, siehe Foto rechts), 2,7 Mio Euro für 5 Bio- und Methangasanlagen, 1,5 Mio Euro zur Umrüstung von 9 historischen Wassermühlen zur Herstellung von Hydroenergie (Foto rechts unten: Mühle in Bissen) sowie 1,4 Mio Euro für 17 Photovoltaik-Anlagen.

Was letztere angeht: In luxemburgischen Gemeinden sind von Privatleuten oder Gesellschaften schon sehr viele Photovoltaik-Anlagen installiert worden, jedoch meist als isolierte Projekte. „EquiEnercoop“ hat dagegen in der Kommune Junglinster größere Flächen von solcher Anlagen unter anderem auf Dächern von Schulen installiert (siehe Foto rechts), in die alle interessierten Bürger für eine nachhaltige Energieerzeugung investieren können.

Die Antizipation der notwendigen Energiewende durch Bürger geht hier somit einher mit einem hohen Maß an Unabhängigkeit.

Mit ersten Investitionen in Photovoltaik-Anlagen, dem Bau großer Windparks, der Verpflichtung, nur noch Passivhäuser als Neubauten zuzulassen , staatlichen Beihilfen und durch das Projekt der Klimabank, bei dem im Wohnungsbau die energetische mit der sozialen Frage verknüpft werden soll, hat die Regierung nun nachgezogen.

Artikel vom 20. Februar 2017, aktualisiert am 9. November 2017